Dr. Oğulcan ÖzdemirHerz- und Gefäßchirurg
Bitlis · Tatvan

Ernährung und metabolische Entzündung

Eine über Jahre im Körper still ablaufende, gering ausgeprägte Entzündung beeinflusst die Gesundheit der Gefäße erheblich. Man bezeichnet sie als metabolische Entzündung. Was wir essen, gehört zu den wichtigsten Gewohnheiten, die diese Entzündung verstärken oder verringern können.

Termin und Kontakt

Was ist metabolische Entzündung?

Das Immunsystem antwortet auf Krankheitserreger und Verletzungen normalerweise mit einer kurzen Entzündung, die sich beruhigt, sobald die Aufgabe erledigt ist. Viel Fettgewebe, besonders die Fetteinlagerung um den Bauch, häufig steigende Blutzuckerwerte und eine Ernährung, die reich an stark verarbeiteten Lebensmitteln ist, können dieses System dauerhaft auf niedrigem Niveau aktiv halten. Diese stille Entzündung, die weder Fieber noch Schmerzen verursacht, nennt man metabolische Entzündung.

Die metabolische Entzündung gilt als eine der gemeinsamen Grundlagen chronischer Erkrankungen wie Adipositas, Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes.

Ihr Teller ernährt auch Ihre Gefäße.

Welche Verbindung besteht zu den Gefäßen?

Die Bildung von Plaques in der Wand einer Arterie ist nicht allein eine Fettablagerung; die Entzündung spielt in jeder Phase dieses Prozesses eine Rolle. Gewohnheiten, die die Entzündung nähren, bereiten deshalb auch den Boden für Arterienerkrankungen, einschließlich der Verengung der Beinarterien.

Bei Lipödem zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Fettgewebe, das aus Lipödem-Beinen entnommen wurde, wurde nachgewiesen, dass die Fettzellen vergrößert sind, das Bindegewebe zunimmt und sich Makrophagen, also Entzündungszellen, vermehren. Details finden Sie auf der Seite Lipödem.

Bei mediterraner Ernährung, angereichert mit nativem Olivenöl, traten Herzinfarkt, Schlaganfall und herz-kreislaufbedingte Todesfälle

%0

seltener auf.

Randomisierte Studie mit 7.447 Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko; verglichen mit einer Kontrollkost mit verringertem Fettanteil.
Estruch R et al. Primary prevention of cardiovascular disease with a Mediterranean diet supplemented with extra-virgin olive oil or nuts. N Engl J Med 2018;378(25):e34. doi:10.1056/NEJMoa1800389

Samenöle und Mitochondrien

Öle aus Samen wie Sonnenblume, Mais, Soja, Baumwolle und Raps wurden im 20. Jahrhundert mit der industriellen Produktion in sehr großen Mengen in unsere Nahrung gebracht. Heute stecken sie zum größten Teil in verpackten Lebensmitteln, Fertigprodukten und Frittiertem. Die wichtigste Fettsäure dieser Öle ist Linolsäure, eine Omega-6-Fettsäure.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Sojaöl in den USA stieg von 1909 bis 1999 um

0+

mehr als das Tausendfache.

Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Linolsäure an der über die Nahrung aufgenommenen Energie von 2,8 % auf 7,2 %.
Blasbalg TL et al. Changes in consumption of omega-3 and omega-6 fatty acids in the United States during the 20th century. Am J Clin Nutr 2011;93(5):950-962. doi:10.3945/ajcn.110.006643

Die Mitochondrien sind die Energiezentralen der Zelle. In ihrer inneren Membran befindet sich ein besonderes Fett namens Kardiolipin, das für die Energieerzeugung unverzichtbar ist, und dessen Aufbau von den Fettsäuren beeinflusst wird, die wir mit der Nahrung aufnehmen. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Linolsäure sind anfällig für Oxidation, also das „Ranzigwerden“. Die Oxidation von Kardiolipin ist eines der Zeichen einer gestörten Mitochondrienfunktion. Deshalb vermuten einige Forschende, dass die hohe Linolsäurebelastung der modernen Ernährung die Mitochondrien belasten und zur metabolischen Entzündung beitragen kann.

Dies ist jedoch eine Hypothese, und die Studien am Menschen sind widersprüchlich. In neu ausgewerteten Daten einer älteren Studie, bei der Herzpatientinnen und -patienten gesättigtes Fett durch Linolsäure ersetzt bekamen, lag die Sterblichkeit höher (17,6 % gegenüber 11,8 %). Dagegen zeigte eine gemeinsame Auswertung von 30 Studien mit 68.659 Menschen, dass Menschen mit höheren Linolsäurewerten im Blut seltener eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten. Dass Samenöle beim Menschen eine Mitochondrienerkrankung verursachen, ist heute nicht belegt; die Diskussion dauert an.

In der Praxis ist der sicherste Weg: wiederholt erhitzte Frittierfette meiden, zum Braten Olivenöl verwenden und die verpackten Fertiglebensmittel reduzieren, die die Hauptquelle der Samenöle sind.

Gluten und Milch

Gluten

Gluten ist ein Eiweiß, das in Weizen, Gerste und Roggen vorkommt. Bei Zöliakie verursacht Gluten im Darm eine schwere Entzündung; diese Patientinnen und Patienten müssen Gluten vollständig meiden. Eine durch Biopsie gesicherte Zöliakie tritt weltweit bei etwa einem von 140 Menschen (0,7 %) auf. Es gibt auch Menschen, die ohne Zöliakie nach dem Verzehr von Gluten Beschwerden haben, also glutensensitive Personen.

In einer großen Studie, bei der Erwachsene ohne Zöliakie 26 Jahre lang beobachtet wurden, hat ein langfristiger Glutenverzehr das Risiko für Herzerkrankungen nicht erhöht. Die Forschenden wiesen außerdem darauf hin, dass beim Verzicht auf Gluten auch der Verzehr von Vollkornprodukten verringert werden kann, was für die Herzgesundheit ungünstig sein kann. Das heißt: Glutenfreie Ernährung wird nicht jedem ohne Zöliakie oder Glutensensitivität empfohlen; das eigentliche Ziel ist, weißes Mehl und Backwaren aus Weißmehl zu reduzieren.

Milch und Milchprodukte

In einer Übersicht, die klinische Studien zusammenfasst, zeigte sich, dass Milchprodukte die Entzündung im Allgemeinen nicht verstärken, bei Menschen mit einer Stoffwechselerkrankung sogar entzündungshemmend wirken können. Bei einer Milchallergie dagegen verstärken sie die Entzündung. Fermentierte Produkte wie Joghurt und Kefir sind gute Optionen. Menschen mit Laktoseintoleranz können Produkte meiden, die Beschwerden verursachen.

Bei Lipödem berichten einige Patientinnen und Patienten, dass es ihnen besser geht, wenn sie Gluten oder Milch reduzieren. Eine starke Studie, die dies stützt, gibt es bisher nicht; ein persönlicher Versuch sollte gemeinsam mit Ärztin oder Arzt und Ernährungsberaterin oder Ernährungsberater durchgeführt werden.

Ernährung bei Lipödem

Durch Ernährung verändert sich das Lipödem-Gewebe in den Beinen größtenteils nicht, aber das häufig begleitende Übergewicht, die Schwellung und die Schmerzen können abnehmen. Der bei Lipödem am meisten untersuchte Ansatz ist eine kohlenhydratreduzierte (ketogene oder kohlenhydratarme) Ernährung: In einer gemeinsamen Auswertung von 7 Studien mit 329 Frauen wurden nach durchschnittlich 16 Wochen eine mittlere Gewichtsabnahme von 7,9 kg und eine Besserung der Schmerzen berichtet. Die meisten dieser Studien sind jedoch klein, und eine größere Übersicht aus dem Jahr 2025 betont, dass der Einfluss der Ernährung auf das Lipödem noch nicht eindeutig ist. Kurz gesagt: Ernährung unterstützt, ist aber allein keine Behandlung.

Wie sollte man sich praktisch ernähren?

  1. Zucker und WeißmehlReduzieren Sie zuckerhaltige Getränke, Süßspeisen, Weißbrot und Backwaren. Sie lassen den Blutzucker schnell ansteigen und können die Entzündung verstärken.
  2. Die Hälfte des Tellers GemüseEssen Sie bei jeder Mahlzeit reichlich Gemüse und Grünes. Ballaststoffe machen satt und unterstützen die Darmgesundheit.
  3. Ausreichend EiweißEier, Fisch, Hähnchen, Hülsenfrüchte und Joghurt. Beim Abnehmen beugen sie dem Verlust von Muskelmasse vor.
  4. Gesunde FetteOlivenöl, Walnüsse, Haselnüsse und fettreicher Fisch. Begrenzen Sie Frittiertes, wiederverwendete Fette und verarbeitetes Fleisch.
  5. Wasser und BewegungTrinken Sie ausreichend Wasser; regelmäßiges Gehen verstärkt die Wirkung der Ernährung.

Wichtig. Einschränkende Diäten wie die ketogene Ernährung sind bei Nierenerkrankungen, bei Medikamenten gegen Diabetes oder in der Schwangerschaft unter Umständen nicht geeignet. Sprechen Sie vor dem Beginn mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und einer Ernährungsberaterin oder einem Ernährungsberater. Hungerdiäten werden nicht empfohlen.

Quellen

  1. Hotamisligil GS. Inflammation, metaflammation and immunometabolic disorders. Nature 2017;542(7640):177-185. doi:10.1038/nature21363
  2. Estruch R et al. Primary prevention of cardiovascular disease with a Mediterranean diet supplemented with extra-virgin olive oil or nuts. N Engl J Med 2018;378(25):e34. doi:10.1056/NEJMoa1800389
  3. Blasbalg TL et al. Changes in consumption of omega-3 and omega-6 fatty acids in the United States during the 20th century. Am J Clin Nutr 2011;93(5):950-962. doi:10.3945/ajcn.110.006643
  4. Bradley RM et al. Influence of tissue, diet, and enzymatic remodeling on cardiolipin fatty acyl profile. Mol Nutr Food Res 2016;60(8):1804-1818. doi:10.1002/mnfr.201500966
  5. Panov AV, Dikalov SI. Cardiolipin, perhydroxyl radicals, and lipid peroxidation in mitochondrial dysfunctions and aging. Oxid Med Cell Longev 2020;2020:1323028. doi:10.1155/2020/1323028
  6. Ramsden CE et al. Use of dietary linoleic acid for secondary prevention of coronary heart disease and death: evaluation of recovered data from the Sydney Diet Heart Study and updated meta-analysis. BMJ 2013;346:e8707. doi:10.1136/bmj.e8707
  7. Marklund M et al. Biomarkers of dietary omega-6 fatty acids and incident cardiovascular disease and mortality. Circulation 2019;139(21):2422-2436. doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.118.038908
  8. Singh P et al. Global prevalence of celiac disease: systematic review and meta-analysis. Clin Gastroenterol Hepatol 2018;16(6):823-836. doi:10.1016/j.cgh.2017.06.037
  9. Lebwohl B et al. Long term gluten consumption in adults without celiac disease and risk of coronary heart disease: prospective cohort study. BMJ 2017;357:j1892. doi:10.1136/bmj.j1892
  10. Bordoni A et al. Dairy products and inflammation: a review of the clinical evidence. Crit Rev Food Sci Nutr 2017;57(12):2497-2525. doi:10.1080/10408398.2014.967385
  11. Felmerer G et al. Adipose tissue hypertrophy, an aberrant biochemical profile and distinct gene expression in lipedema. J Surg Res 2020;253:294-303. doi:10.1016/j.jss.2020.03.055
  12. Amato ACM et al. The efficacy of ketogenic diets (low carbohydrate; high fat) as a potential nutritional intervention for lipedema: a systematic review and meta-analysis. Nutrients 2024;16(19):3276. doi:10.3390/nu16193276
  13. de Oliveira J et al. Clinical or cultural? Dietary interventions for lipedema: a systematic review. Maturitas 2025;202:108716. doi:10.1016/j.maturitas.2025.108716

Verwandte Seiten